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Traditionsbetrieb Druckerei Kaiser schließt

Druckerei Offset Gerhard Kaiser: Essener Traditionsbetrieb wird geschlossen

15.02.2021

Die Befürchtungen aus der Belegschaft haben sich bewahrheitet:
Nur wenige Tage nach dem die Geschäftsführung noch Hoffnung gemacht hatte es gebe Übernahmeinteressenten, wurde bereits das Scheitern der Gespräche verkündet. 

Betriebsrat informiert über Transfergesellschaft
Am heutigen Tag (15.02.) bot der Betriebsrat im Rahmen einer Betriebsversammlung ein Forum sich über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit der Geschäftsführung zu Interessenausgleich und Sozialplan auszutauschen und drängende Fragen zu klären.
Angestrebt ist eine Transfergesellschaft um die Situation der teilweise seit mehreren Jahrzehnten Beschäftigten zumindest etwas abzumildern.

55 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz
Eine Kollegin schildert ihre Enttäuschung und Wut eindrücklich: „Ich könnte toben und bin super sauer, wir werden hier nur noch hingehalten. Erst hieß es, es geht weiter und wir ziehen um, kurz darauf das Gegenteil – das wirkt wie ein abgekartetes Spiel.“
Von der Schließung sind neben der Stammbelegschaft und ihren Familien auch die Kolleginnen und Kollegen angeschlossener Dienstleistungsgesellschaften betroffen. Denn ohne die Arbeit weiterer Gewerke und Dienstleister ist ein Druckereibetrieb nicht realisierbar.

Stille Reserven?
Langjährig Beschäftigte berichten, dass bereits in der Vergangenheit manches bei Offset Gerhard Kaiser und dem Tochterunternehmen OGK Media undurchsichtig lief. Wie aus dem nichts tauchten „stille Reserven“ in unbekannter Höhe immer dann auf, wenn die Fortführung des Betriebes gesichert werden sollte.
„Immer wenn es eng wurde, war plötzlich wieder Geld da, so lief das hier die letzten Jahre ständig. Aber jetzt sind wir insolvent, da hat der Eigentümer den Hahn abgedreht - schöne Scheiße!“ kommentiert einer der Betroffenen.

Geschäftsführung: Aushang statt persönliche Erklärung
Zur Verwunderung der Belegschaft entfiel die für den 09.02.2021 geplante Beschäftigtenversammlung. Witterungsbedingt war einer von zwei Geschäftsführern an der Teilnahme gehindert. Der zweite Geschäftsführer allerdings war im Betrieb anwesend.
Statt einer persönlichen Erklärung, beließ es die Geschäftsführung bei einem schriftlichen Aushang.

Betriebsschließung voraussichtlich im Frühjahr 2021
Am 10.02.2021 wurde die Insolvenz wie geplant eröffnet. Geschlossen wird der Betrieb voraussichtlich im Mai 2021.
Wann die angekündigten Kündigungen tatsächlich ausgesprochen werden, ist derzeit noch nicht klar.

ver.di bemängelt undurchsichtige Strukturen
Für Till Düwel, Gewerkschaftssekretär sind in der aktuellen Situation viele Fragen ungeklärt:

  • Inwieweit wurde die Insolvenz gezielt zum Nachteil der Beschäftigten genutzt (kürzere Kündigungsfristen, geringere Abfindungen etc.)
  • Wohin werden die bestehenden Aufträge verlagert? Welche Rolle spielen Betriebe im Unternehmensnetzes?
  • Welchen Einfluss hat der Eigentümer?

Wir werden die Beschäftigten in dieser belastenden Situation unterstützen und uns für gute Lösungen einsetzen. 

Für Rückfragen: Till Düwel Gewerkschaftssekretär Medien, Kunst und Industrie 0160 – 2968326

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